May 25, 2010
Kreisel.

Ich bin ein Kreisel. Meine Fersen reiben dabei über den Ölfleck auf dem Asphalt und meine Arme schwingen unkontrollierbar.

Ich drehe mich im Kreis und reiße dich dabei mit.

Vor meinen Augen verschwimmt die Außenwelt und ich muss mich auf die Innenwelt konzentrieren um nicht vornrüber zu kippen. Ich beiße mir dabei so fest es geht auf die Unterlippe, halte mich an dem letzten Stück Realität fest und schmecke dabei Blut.

Du greifst ein in meinen Kreiselkreis. Angelst nach meinem Arm, der Schulter, oder sonst irgendwas greifbares von mir und erwischt den Saum meines Flatterkleidchen. Dabei reißt der dünne Stoff, ich verliere mein Gleichgewicht und falle in Richtung Asphalt mit dem Hinterkopf voraus.

Ich sehe meinen Armen dabei zu wie sie in der Luft kreisförmig wedeln, nach irgendetwas greifen und dabei nichts erwischen und muss laut auflachen.

Ich falle und kann doch nichts mehr dagegen machen.

Der rostige Blutgeschmack im Mund stört mich aber doch.

April 12, 2010
Fisch.

“Sehen Sie mein Herr, ich habe doch eigentlich gar kein Herz. Gestern starb mein Fisch, mein wunderbarer bunter Fisch und ich nahm ihn raus. Nahm ihn einfach so raus zwischen meinen Fingern, legte ihn auf mein Butterbrotbrett - oh ja ich habe ein eigens zum Butterbrote schmieren bestimmtes Butterbrotbrett. Na jedenfalls legte ich ihn darauf, wischte ihn trocken und rein vom Kot und Gestank und schlitzte ihn mit dem Apfelschneidemesser entlang des silbernen Streifens auf. Das Blut und die Gedärme quollen nur so über. Überraschend viel davon für so einen kleinen Zierfisch. Ich salzte und pfefferte ihn und briet ihn mit einer Apfleschneidemesserspitze in der kleinen Spiegeleierpfanne an. So lange bis die Haut knusprig und die Augen glasig wurden. Ich nahm mir die Spaghettigabel und spießte sie mitten in die Körpermitte, der dicksten Stelle eben und warf ihn aus dem Fenster.”

“Sitzen Sie deswegen hier? Totenschändigung?”

“Nein die haben mich hierhin gebracht, weil ich danach von der Brücke gesprungen bin. Zu den Fischen.”

March 29, 2010
krank.

Ich bin seit Maman’s rundem Geburtstag krank und müsste eigentlich doch meine Hausarbeit voran bringen. Jedoch ist es bei juristischen Hausarbeiten leider nicht ganz so angenehmen wie bei normalen research opinion papers anderer Studiengänge. Nein juristische Hausarbeiten sind das Epitom an Langeweile und dementsprechend prokrastiniere ich gerade fleißig und schaue lieber Kdramas und Kmovies mit Jang Geun Suk, meiner neuen Schwäche. Bevor das Anhängselchen nach hause kommt muss ich aber noch eine Albiseite vollschreiben.

February 28, 2010
Ich möchte ein Eisbär sein…

oder auch eine  fabelhafte Schriftstellerin. Und wenn nicht das, dann zumindest eine Journalistin mit einem Hochglanzleben.

Und manchmal möchte ich aber auch ausziehen, in die Provence, mich von Brioche und Käse, oh fromage, magnificient fromage ernähren und viele kleine Franzosenkinder in die Welt setzen.

Für heute jedoch bin ich erst mal Maman’s kleines Töchterchen, das für ein paar Tage nach hause kam, verwöhnt und umsorgt zu werden.

Ich weiß nicht genau was passiert sobald ich meinen Fuß über die Türschwelle setze, meine Jacke auf den Esstisch schmeiße und nach meiner Maman rufe, aber ab da lege ich meine hart erkämpfte Selbstständigkeit und jegliche Weltkenntniss ab.

Im Wohnzimmer knistert das Holz und mein Bett duftet nach unbeschwerter Jugend, das Essen schmeckt nach Biogemüse und im Haus wird nur in Hausschlappen gelaufen.

Die Realität bleibt außen vor und ich bin wattigweich bis eben wattigweich langweilig wird.